Flagge zeigen gegen Gewalt
"frei leben": Fahnentag von Terres des Femmes in Burghausen und Neuötting

Burghausen/Neuötting. 27.11.2010 ... „frei leben" ruft die blau grundierte Fahne in grellem Gelb den Passanten am Bürgerplatz in Burghausen zu und unterstreicht ihre Forderung mit dem Zusatz: „ohne gewalt". Vertreterinnen von „Frauen helfen Frauen", „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen" (AsF) und Frauen im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) hissten am Donnerstagvormittag diese Flagge und beteiligten sich damit an der weltweiten Aktion von „Terres des Femmes". Auch in Neuötting wurde eine Fahne gehisst.
Über 30 misshandelte, bedrohte, verängstigte Frauen mit ihren Kindern hat das Frauenhaus im Landkreis Altötting allein in diesem Jahr aufgenommen, schon 87 Anzeigen gingen beim Sachbearbeiter „häusliche Gewalt" der Polizeiinspektion Altötting heuer ein. Dieses Thema schreit nach Hilfe, Einsatz, Mitgefühl.
Seit zehn Jahren gibt es den internationalen Gedenktag „NEIN zu Gewalt an Frauen", seit fünf Jahren weht auch im Landkreis Altötting immer im November die strahlend blaue Fahne mit der Aufschrift „frei leben - ohne gewalt" und den Umrissen eines mit kräftigen Strichen skizzierten Frauenkörpers.
„Wir wollten uns einbringen", erzählt Dagmar Wasserrab, Vorsitzende der AsF Burghausen, von den Anfängen und ging mit ihrem Ansinnen damals zu Bürgermeister Hans Steindl. Das Stadtoberhaupt finanzierte die Fahne, und seitdem zeigt auch Burghausen an jedem 25. November Flagge für ein selbstbestimmtes, gewaltfreies Leben der Frauen. Dagmar Wasserrab, Ulrike Garschhammer und Heidi Stefan-Brenner hissten das Banner am Donnerstag Vormittag im Beisein von Vertretern des „Runden Tisches" des Landkreises Altötting, an dem sich Delegierte aus neun Organisationen regelmäßig zusammensetzen und ein Netz werk zum Wohle betroffener Frauen knüpfen.
Lesungen und ein Theaterstück begleiteten die Fahnenaktion in den vergangenen vier Jahren. Am Donnerstag Abend lieferte der Film „Wüstenblume" Diskussionsmaterial. Im Mittelpunkt steht die verstörende Biografie des Supermodels Waris Dirie, das sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere offenbarte und gegen die menschenverachtende Tradition der Genitalverstümmelung in seinem Heimatland aufbegehrte. Rund 50 Zuschauer sahen sich die „Wüstenblume" bei freiem Eintritt im Bürgersaal an. Der Erlös aus dem Getränkeverkauf an diesem Abend in Höhe von 80 Euro kommt dem Verein „Frauen helfen Frauen" zugute. - mir